Neubau Otto-Schott-Gesamtschule Witten
Wettbewerb 2024/25 4.Preis
EINE RAUMBILDENDE GEBÄUDEFIGUR
Der Neubau der Otto-Schott-Gesamtschule fügt sich harmonisch in die heterogen geprägte Bebauung des Campusareals ein. Die Gebäudefigur reagiert differenziert auf die umliegende Bebauung und bildet mit dieser klar definierte Außenräume. Der Baumbestand wird weitestgehend erhalten und in das Raumkonzept integriert. Durch die differenzierte Ausrichtung des Baukörpers in alle Himmelsrichtungen wird eine räumliche Vernetzung des Campusareals erreicht. Städtebauliches Ziel ist die Schaffung eines übergeordneten Ensembles und damit eine Aufwertung des gesamten Schulareals.
Im Wechselspiel von Masse und Hohlraum - zwischen voll und leer – nicht zuletzt: zwischen Körper und Raum geht es uns um die Kunst doppelter Raumgestaltung durch Körpergestaltung. Die Gebäudefigur als Raumbildendes Objekt erhält ihre Qualität aus den unterschiedlichen Außenräumen bei der sie sich, in einer Art Konturrivalität im Wechselverhältnis zwischen konvex und konkav, zugleich sowohl die Außenseite der einen städtebaulichen Form, als auch als Innenseite der anderen bildet. Als vermittelndes Element zwischen Körper- und Raumformen fliest die Gebäudefigur gleichsam als „Zwischenkörper“ zwischen die unterschiedlichen Außenräume. - Ein zum Körper gewandelter Zwischenraum bei der die Figurfunktion dem Raum zugewiesen wird. - Die Körperhaften Massen bleiben, gleichsam als neutrale Folie für die bunten, ständig wechselnden Bilder des Gebrauches, im Hintergrund und stützen die Raumformen des außenräumlichen Kontextes.
SICHTBARKEIT UND ADRESSBILDUNG
Die Schule bildet mit seiner breit gelagerten Hauptfassade, seinem doppelgeschossigen Eingangsbereich und dem vorgelagerten Stadtplatz eine eindeutige Adressbildung. Aufgrund der nach Westen hin abschüssigen Topografie entsteht eine Überhöhung der Eingangssituation Eingangsfront, welche die Sichtbarkeit im Stadtraum verstärkt.
Der Stadtplatz versteht sich als Referenzzone vor dem Schulhaus er dient als Visitenkarten der Otto Schott Schule und fungiert hierbei als Schnittstelle zur Stadt, sowohl als städtischer Eingangsbereich als auch als Interaktionsfläche für schulische Nutzungen.
DURCHWEGUNG
Ein breit angelegter Boulevard innerhalb des Gebäudes verbindet den westlichen Stadtplatz mit dem östlichen Pausenhof. Der Höhenversprung im Gelände wird durch ein Zwischengeschoss und einer Treppenanlage mit Sitzstufen gelöst. Die Haupterschließung wird markiert durch Rücksprünge im Gebäudevolumen, welche auch als witterungsgeschützte Pausenflächen dienen. Die Wegeführung ist einfach und selbsterklärend, stets mit Blickbezug zum Außenraum.
Wie in einem Passagenwerk reicht der begehbare Außenraum tief in das Innere des Hauses. So entsteht eine feinteilige Verfaltung von Innen und Außen, so dass an vielen Stellen der Außenraum mit dem Innenraum auf Tuchfühlung geht und sich das Gebäude mit seinen Innenräumen mit dem Außenraum verschränkt.
Die Introduktion in das Haus erfolgt grundsätzlich über differenziert qualifizierte Schwellenräume und Platzräume, welche jeweils über eigene Niveaus in die ansteigende Topographie eingearbeitet sind. Die räumliche Hinführung in die Tiefe des Konstruktes wird durch eine differenzierte Sequenz von Raumelementen und -Abschnitten in eine qualifizierte sinnliche Wahrnehmungsfolge gebracht.
KOMPAKTHEIT UND EFFIZIENZ
Durch eine effiziente Grundrissorganisation mit lediglich 2 Fluchttreppenhäusern und einer kompakten Stapelung von 5 Obergeschossen wird ein geringer Fußabdruck mit geringer Flächenversiegelung erreicht. Auf ein Untergeschoss kann verzichtet werden. Die Gebäudehöhe orientiert sich am Bestand des Berufskollegs. Die Rücksichtnahme zur Wohnbebauung wird durch einen großen Abstand gewahrt.
BRANDSCHUTZKONZEPT
Im Neubau werden 3 bauliche Rettungswege über eine offene Treppenhalle und zwei geschlossene Treppenhäuser sichergestellt. Die Treppenhalle bildet einen eigenen Brandabschnitt und kann ohne brandschutztechnische Einschränkung (d.h. mit Brandlast) genutzt und möbliert werden, z.B. mit Garderoben- oder Lehrmittelschränken. Die Klassenzimmer bilden eine zusammenhängende Nutzungseinheiten mit ca.600m² Grundfläche und sind an jeweils zwei Treppenräume angebunden. Die Trennwand zwischen Treppenhalle und Klassenzimmer wird feuerbeständig in F90 ausgeführt, die Türen in T30-Qualität, Glasausschnitte in F30-Qualität.
EIN HAUS MIT SOCKEL
Das aus der Konstruktion ableitbare Gestaltprinzip ergibt sich aus den Prinzipien des Filigranbaus als selbstläufige Logik im Fügen von linearen Bauteilen - also dem Zimmermannswerk einerseits und andererseits aus den Prinzipien des Massivbaus, also der Logik im gestaltbildenden Prozess der Stereotomie mit seiner flächenhaften Ausbildung von Wand und Decke mit den Mitteln des Steinschnittes.
Der Baukörper wird daher gegliedert in einen Sockelbereich aus Sichtbeton und einen Aufbau aus unbehandeltem, massivem Lärchenholz. Der steinerne Sockel nimmt die natürlich gewachsene Topographie auf und „erdet“ das Gebäude. Der umlaufende Sichtbetonsockel aus recycliertem Beton bietet Schutz vor Bodennässe und hält der mechanischen Beanspruchung im Bereich der Pausenflächen langfristig stand. Die Holzschalung der Fassade in den Obergeschossen altert in Würde und schützt in bewährter Art und Weise jahrzehntelang unterhaltsfrei vor Wind und Wetter.
EIN ÖKOLOGISCHES LEUCHTTURMPROJEKT
Der Neubau der Otto-Schott-Gesamtschule versteht sich als gelungene Balance aus den wichtigsten Anforderungen an Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und architektonischem Anspruch. Die Konstruktion erfolgt in einer Hybridbauweise aus Holz und Recycling-Beton, wobei die oberirdischen Baukörper überwiegend aus Holz als elementierter Skelettbau erstellt werden. Die Fassade wird als in der Umgebung erkennbar anderes Material ebenfalls aus Holz ausgebildet. Sämtliche konstruktiven Bauteile aus Holz und Beton treten unverkleidet in Erscheinung.
NACHHALTIGKEIT
Die robuste Grundstruktur des Gebäudes soll eine möglichst lange Nutzungsdauer ermöglichen. Es werden ausschließlich natürliche Materialien aus der Region eingesetzt. Es erfolgt eine klare Systemtrennung von Rohbau und Ausbau. Die Befestigung aller baukonstruktiven Einbauten erfolgt demontierbar mittels verdeckt ausgeführter Schraubverbindungen. Alle Baustoffe können sortenrein voneinander getrennt und wiederverwendet werden. Verbundstoffe werden nach Möglichkeit vermieden. Die repetitive Struktur der Fassade und der Einsatz von vorfabrizierten, modularen Decken- und Wandsystemen garantieren eine optimierte wirtschaftliche Bauweise mit kurzen Bauzeiten. Auf der Dachfläche sind PV-Anlagen optisch in die Architektur integriert um den Eigenbedarf an Strom zu decken. Die Installierbarkeit der technischen Gebäudeausrüstung ist einfach gehalten und erfolgt losgelöst von der Gebäudearchitektur.
TRAGWERK
Das oberirdische Primärtragwerk bildet eine nachhaltige vorgefertigte Skelettkonstruktion, bestehend aus Stützen und Riegeln / Balken aus Stahlbeton bzw. Holz, auf denen vorgefertigte 2,70 m breite Rippendeckenelemente als Holz-Verbund-Konstruktionen aufgelegt und zu einer schubsteifen Scheibe verbunden werden. Die Betonanteile der Hybridkonstruktion sind dabei frei ansichtig, so dass diese als thermische Speichermasse mit zum Ansatz kommen können. Die nichttragende Fassadenkonstruktion wird geschosshoch auf einer Länge von 8,1m inkl. aller Aus- und Einbauten vorgefertigt. Durch den umlaufenden Regelachsabstand in Quer- und Längsrichtung wird ein signifikanter Wiederholungsgrad für den zum Einsatz kommenden übersichtlichen Bauteilkatalog geschaffen sowie gleichzeitig die Grundlage für einen stringenten und klaren Lastabtrag geschaffen. Die Aussteifung übernehmen regelmäßig im Grundriss angeordnete typisierte Treppenhäuser und Aufzugsschächte sowie die erforderlichen Brandwände. Die Gebäudeauskragungen im EG werden über Stahlbetonverbundträger abgefangen.
Auslober: Stadt Witten
Architekt: Moeller Soydan mit Thomas Hertel
Landschaft: Uniola Berlin
Brandschutz: KLW-Ingenieure GmbH
Standort: Am Viehmarkt